New York: Die Factory als Gravitationszentrum
An der East 47th Street in Manhattan betrieb Andy Warhol von 1964 bis 1968 seine legendäre Silver Factory – silbern ausgekleidet mit Alufolie, Treffpunkt für Musiker, Models, Schauspieler, Schriftsteller und Künstler. Hier entstanden nicht nur Siebdrucke, sondern auch Filme, Musik (Velvet Underground) und ein ganzer Lebensstil. Die Factory war weniger Atelier als Labor – ein Ort, an dem die Grenzen zwischen Kunst, Unterhaltung und Alltag bewusst aufgelöst wurden.
Parallel dazu zeigten Galerien wie die Leo Castelli Gallery, Sidney Janis Gallery und später die Stable Gallery in Manhattan die Werke der jungen Pop-Art-Szene. 1962 kuratierte Sidney Janis die wegweisende Ausstellung "The New Realists", die Pop-Art erstmals als geschlossene Bewegung präsentierte. Von diesem Moment an war die Kunstwelt nicht mehr die gleiche.
Aber New York war nur der Anfang. In London traf sich die Independent Group im Institute of Contemporary Arts. In Los Angeles entdeckte die Ferus Gallery Warhols Campbell's-Soup-Serie. In Düsseldorf formulierten Polke und Richter den Kapitalistischen Realismus. Pop-Art war von Anfang an ein transatlantisches Phänomen – geboren aus dem Bedürfnis, die neue Konsumwelt mit künstlerischen Mitteln zu befragen.